"Das ist besser als Kino, besser als irgendein Screen: Der Blick über den Genfer See eröffnet ein gleißendes Hologramm. Serotonin wird ausgeschüttet. Das Hologramm setzt sich aus drei Motiven zusammen: Sommer, ein grandioser Raum und ein unbegrenztes Gefühl von Zeit" - mit ungebremster Verve beginnt im Spätaugust 2008 eine einwöchige Reise ins Wallis und wird zur Vorlage für einen Text, dessen Ausgangspunkt ein Gedanke von Jean Baudrillard bildet, der in den 80er Jahren in seinem Bericht über eine Amerika-Reise Niederschlag fand: "Europa lässt sich nicht mehr aus sich selbst verstehen."
Lässt sich Europa tatsächlich nicht mehr aus sich selbst verstehen? Auf seiner Streiftour durch die Schweizer Berge und - im zweiten Teil - durch Berlin unternimmt der Autor Ralph Findeisen eine Genre übergreifende Analyse mit Ausflügen in die Belletristik und aktuelle Kunst- und Kulturtheorie. Die renommierten Architekten Jacques Herzog und Rem Koolhaas kommen dabei genauso zu Wort wie der Maler Balthus und die Video- und Installationskünstler Aernout Mik, Julius Popp und David Claerbout. Exklusive Abschnitte gehören Sarah Oppenheimer (DUVE Berlin)  und dem Fotografen Daniel Josefsohn. An zentraler Stelle scheint die Frage disponiert: Wo und wie bewegt sich das Denken nach dem Exzess des Negativen?

(Klappentext): Ausgangspunkt für diesen kultur-philosophischen Essay bildet eine Reise ins Wallis. Dass nach dem Exzess des Negativen und jenseits aller Simulationsstrategien die Welt da "draußen" noch da ist, wird als Schockerlebnis etabliert.
Würde die epochale Post-Befindlichkeit nicht grundsätzlich die Dreidimensionalität der Schweizer Berge verneinen müssen? Und wenn sie diese nicht verneinte, sondern bejahte, stellte sich dann nicht die Frage, wie unter diesen Umständen noch ein Bild genießen? Wie den Herrschaftsanspruch der Malerei aufrecht erhalten, wenn er nicht der Übermacht des Anderen geopfert werden soll? Ob Balthus oder David Claerbout, ob das Bild vom alten Beirut oder einer Hochzeit - noch immer scheint der Begriff des Realen die Bemessungsgrundlage für Wahrnehmung zu sein. Doch wie groß ist das darin enthaltene Täuschungspotenzial?

April 28, 2012
DUVE Berlin